Loyalität um jeden Preis? Wer ist eigentlich Ida Brink?

Zu den Aufgaben einer Sekretärin gehörten früher in erster Linie Schreibarbeit, Kaffeekochen und Terminverwaltung.

Verschwiegen und loyal sollte sie sein und ihrem Chef die Wünsche vom Schreibtisch ablesen können. Heutzutage heißen die Damen Assistentinnen und managen mit umfangreichen PC – Kenntnissen den Alltag ihres Chefs.

Ida Brink ist eine solche eine Assistentin. Elegant mit einem hohen Maß an Organisationstalent und Integrität unterstützt sie Marek Hilboss und versucht dabei, ihre wahren Ziele und Wünsche von allen unbemerkt zu erreichen.  Ahnt sie etwas von den Ereignissen, die im Alltag auf sie lauern?

Um Ida Brink besser kennen zu lernen, haben wir ein paar Fragen an sie.

Hallo, Frau Brink, stellen Sie sich kurz vor.

Mein Name ist Ida Brink; ich bin achtunddreißig Jahre alt und arbeite als persönliche Assistentin der Geschäftsleitung. Ich nehme Marek Hilboss viele administrative Aufgaben ab. Gewissermaßen den ganzen Kleinkram.

Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit als Assistentin?

Bei meiner täglichen Arbeit bin ich Ansprechpartner für viele Menschen, da ich Marek Hilboss vorgeschaltet bin. Das macht meinen Job mehr als abwechslungsreich. Ich freue mich darauf, brenzlige Situationen zu entzerren und eine Lösung herbeizuführen.

Ein echtes Highlight ist der Kontakt zur Familie. Schon mein erster Chef, der Vater von Marek Hilboss, hat private Events in seinem Haus organisiert, zu denen ich regelmäßig eingeladen war. Hier habe ich viele interessante Menschen kennengelernt.

Können Sie einen kurzen Abriss Ihres Alltags schildern?

Morgens ist es oft turbulent, denn dann häufen sich die Anrufe. Wer mit Marek Hilboss arbeitet, weiß, dass er oft nur vormittags zu erreichen ist. Deshalb habe ich den Tag weitestgehend in Abläufe untergliedert, an die ich mich strikt halte. Das ist mein Geländer durch den Tag.
Gewöhnlich regle ich viele Dinge im Auftrag von Marek Hilboss, ohne ihn damit zu behelligen. Jeden Geschäftsvorgang sehe ich als Herausforderung und habe des Öfteren mit unserem Vertrieb, dem Außendienst, Kunden oder Banken zu tun.

Was gehört noch zu Ihrem Aufgabengebiet?

In erster Linie bin ich Marek Hilboss‘ Assistentin; das heißt, ich kümmere mich um die administrativen Abläufe. Ich bin verpflichtet, ein Auge auf die signifikanten kaufmännischen Prozesse im Unternehmen zu werfen und Herrn Hilboss darüber zu informieren.

Können Sie Ihren Chef kurzfristig ersetzen?

(zögert) Die Formulierung ist etwas gewagt. Etwas Ähnliches habe ich nach dem überraschenden Tod von Friedrich Hilboss gemacht. Damals wussten viele in der Firma nicht, wie es weitergehen sollte; trotz seiner schweren Krankheit kam es unvermutet, aus heiterem Himmel.
Er hat das Unternehmen kurz vor seinem Tod dem einzigen Sohn übertragen, dem er jahrelang eine exzellente Ausbildung ermöglichte.

Das ist Ihr jetziger Chef?

Genau. Marek Hilboss bringt alle Voraussetzungen dafür mit und ist ein erfahrener Unternehmer. Dank ihm sind wir weiterhin erfolgreich. 

Auf was achten Sie in der Zusammenarbeit mit Marek Hilboss ?

Er verzettelt sich, vor allem, wenn zu viele Vorgänge auf einmal kommen. Ich strukturiere seinen Tag, sortiere die Post vor, all diese Dinge. Vor allem auf seine Termine habe ich ständig im Auge. In der letzten Zeit ist er nicht oft im Unternehmen, das macht die Abstimmung noch etwas anspruchsvoller.

Sind Sie nicht eher Referendarin oder Management-Assistentin der Geschäftsleitung?

Ihr Gedanke ehrt mich, doch das überlasse ich denen, die dafür studiert haben. Ich bin da eher praxisorientiert, mache einige Überstunden und passe mich mit meinen Arbeitszeiten an meinen Chef an.
Friedrich Hilboss, der Vater, war noch über zwölf Stunden am Tag anwesend, das war eine Herausforderung. Ich habe es gemeistert und mein Engagement kam an; es hat sich positiv auf meinen Verdienst gewirkt.

Wie kommen Sie im Privatleben mit den vielen Überstunden klar?

Eine sehr persönliche Frage. Ich habe kein Problem, wenn ich länger oder zu außergewöhnlichen Zeiten arbeiten muss. Mehr möchte ich darüber nicht sagen.

Waren Sie an dem Projekt für das erste Sturmgewehr beteiligt?

Das war eine Idee von Friedrich Hilboss. Ich denke, Sie wissen Bescheid über die nicht zustande gekommene Lieferung an das Verteidigungsministerium?

Hilboss hatte angeblich mit Qualitätsproblemen der Sturmgewehre zu kämpfen.

„Das stimmt nicht. Durch Friedrich Hilboss Tod kam alles durcheinander und keiner kannte das Projekt besser als er. Wir haben nur keine Chance zur Verbesserung erhalten. Das zuständige Ministerium hat uns den Auftrag entzogen.

Die Produktion wurde gestoppt und das Projekt schlief ein.

(Zögert) Marek Hilboss hielt die Besinnung auf die traditionellen Werte für zielführender. Mit dem Tod von Friedrich Hilboss, der das Projekt HS 100 ins Leben rief, starb das Engagement. Ich respektiere die Entscheidung von Marek Hilboss, der es letztendlich zu verantworten hat.

Es gibt immer wieder Gerüchte zu den Zahlungsschwierigkeiten von Hilboss?

Was für Gerüchte? Ich weiß davon nichts und kann somit nichts bestätigen. Ich habe keine Ahnung, wer daran interessiert ist, den Ruf von Hilboss zu zerstören.

Sie haben keine Angst um ihren Job oder die Firma?

(Lacht verhalten) Nein, habe ich nicht! Wie in der Vergangenheit vertraue ich darauf, dass die Geschäftsleitung die geeigneten Entscheidungen trifft.

Bewerben Sie sich erneut bei Hilboss, wenn Sie wählen könnten?

Aber klar, und ob! Die Firma ist grundsolide und hat ein dickes Finanzpolster aus früheren Zeiten. Ich arbeite gerne für Marek Hilboss und möchte das in Zukunft weiterhin tun.

Frau Brink, vielen Dank für das Gespräch.

Weiß Ida Brink genau, wie es um die Firma steht?

Im Interview lässt sie viele Fragen unbeantwortet; die Assistentin ist für ehrliche Antworten zu loyal.  Auch Fragen zu ihrem Privatleben erstickt sie im Keim.

Im Thriller Hilboss werden nicht nur ihre Emotionen sichtbar. Stück für Stück wird sie unbemerkt in das tödliche Geschäft hineingezogen, das sie beruflich und privat komplett aus der Bahn wirft.