Hilboss- Wahre Geschichte oder Fikiton? Wie der Thriller Hilboss - ein tödliches Geschäft entstand

Die Fakten zum Thriller Hilboss

Schonungslos erzeugt der Thriller Hilboss – ein tödliches Geschäft bereits zu Anfang Entsetzen über die Brutalität von Menschen. Er schilderte eine Erschießung im mexikanischen Hochland, wie sie sich durchaus abgespielt haben könnte. Doch wie kommen mexikanische Drogenbosse trotz zahlreicher Waffenembargos überhaupt an Schusswaffen?

Waffenexporte – legal oder illegal?

Illegaler Waffenhandel bildet, eingebettet in einen profanen Alltag, ein perfektes Fundament für einen Thriller. In Deutschland und Europa sind Waffenexporte zwar per Gesetz geregelt , doch häufig unterstützt wirtschaftliches Interesse die Überschreitung der Grenze zur Illegalität.

Gesetze zu Waffenexporten

Ein Abkommen auf europäischer Ebene aus dem Jahr 1998 fordert die Nationen zur Achtung der Menschenrechte und des Völkerrechts auf. Exportierte Waffen  sollen Frieden, die Sicherheit und Stabilität in einer Region bewahren. Die gelieferten Waffen dürfen nicht in bewaffneten Konflikten benutzt werden oder diese veranlassen. Bei der Belieferung muss die innere Lage des Landes  berücksichtigt werden.

Dieses Abkommen ist nicht rechtlich bindend; es fordert lediglich zur Festschreibung im jeweiligen nationalen Recht auf. Die Europäer einigten sich auf eine Kriegswaffenliste und vereinheitlichten die Kriterien für Ausfuhrgenehmigungen.

Was spricht für deutsche Waffenexporte?

Auszug aus dem ersten Satz des deutschen Grundgesetzes

„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“

In Deutschland wurde in zahlreichen weiteren Gesetzen, wie beispielsweise dem Kriegswaffenkontrollgesetz, der grob gehaltene Wille aus dem Grundgesetz präzisiert. Der Waffenexport wird durch das Außenwirtschaftsgesetz geregelt ; in einer Kriegswaffenliste sind Kriegswaffen und Rüstungsgüter definiert.

In den Jahren zwischen 2012 und 2016 wurden nach dem Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri 8,4% mehr Rüstungsgüter als die Jahre zuvor exportiert; das ist der höchste Stand seit dem Jahr 1990, dem Ende des kalten Krieges.

Angeführt von den USA, Russland und China als weltweit größte Waffenexporteure folgt auf dem vierten Platz Frankreich. Auf dem fünften Platz kommt bereits Deutschland.

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Nur mit Genehmigung – Waffenlieferungen in Krisengebiete

Die Genehmigungsverfahren sind komplex und langwierig. Deshalb werden Waffenexporte öfter durchgewunken, in der Hoffnung, dass die Sache unter dem Teppich bleibt. Bei der Recherche zum Roman tauchte in den angezeigten Ergebnissen bei Google verstärkt ein Name auf: Heckler und Koch.

Heckler und Koch stattet in Deutschland Polizei und Bundeswehr mit Schusswaffen aus. In den letzten Jahren geriet das bisher wirtschaftlich wenig erfolgreiche Unternehmen unter anderem wegen undurchschaubaren Waffenexporten in die Schlagzeilen.

Inspiration für den Thriller Hilboss

Die zündende Idee für den Thriller „Hilboss – ein tödliches Geschäft“ lieferte schließlich eine Dokumentation der ARD. Der Film „Tödliche Exporte – Wie das G36 nach Mexiko kam“ schildert auf bedrückende Weise die Folgen des Lobbyismus zwischen Wirtschaft und Politik.

Der Film „Wie das G36 nach Mexiko kam“

Zuckerbrot und Peitsche – das Team um Daniel Harrich

Das Filmteam informierte nach ihren Recherchen die Staatsanwaltschaft Stuttgart; weil dort bereits gegen Heckler und Koch ermittelt wurde, zeigte der zuständige Staatsanwalt die Filmemacher bei seinem Münchner Kollegen an. Das Münchner Amtsgericht wies die Klage ab.

Als Folge des Films wurden fünf ehemalige Mitarbeiter von Heckler und Koch angeklagt. Sie setzten sich aus zwei Vertriebsleitern, einer Vertriebsmitarbeiterin und zwei Geschäftsführern zusammen. Einer der angeklagten Geschäftsführer ist der frühere Landgerichtspräsident Peter Beyerle. Am Rottweiler Landgericht war er zum Zeitpunkt der Waffenexporte auch für Oberndorf zuständig, dem Sitz von Heckler und Koch. Ihm wird unter anderem bandenmäßiger Kriegswaffenexport vorgeworfen.

Wann das Verfahren beginn, steht heute, im April 2017 noch aus. Laut einer  Information des Landgerichts Stuttgart erfolgt hierzu eine gesonderte Pressemitteilung; es bleibt spannend, wie es weitergeht.

Daniel Harrich und sein Team wurden für die Recherchen zum ARD-Themenabend „Tödliche Exporte“ im Jahr 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

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Hilboss – was wäre, wenn …

Die Handlung im Thriller Hilboss ist eine durchaus realistische Annahme; ein desolates Management macht Unternehmen angreifbar für Korruption und illegale Handlungen. Häufig ist die Nachfolge gerade in Familienunternehmen und Chefetagen nicht umfassend geklärt. Geht es um Arbeitsplätze oder sensible Güter, werden Politiker aktiv.

Die Fakten und Illusionen alleine sind Grundlage für einen strukturierten Bericht, doch erst die Menschen, deren Handlungen aus verschiedenen Motiven heraus oft unkalkulierbar erfolgen, erwecken die Sachverhalte zum Leben.

Die Figuren im Zusammenspiel mit einer durchaus realistischen Handlung machen Hilboss – ein tödliches Geschäft zu einem spannenden Thriller, der mehr als Thrill und einen befriedigten Gerechtigkeitsinn hinterlässt.